innerer Friede

Der sichere Weg zu innerem Frieden

Und noch etwas, Geschwister: Richtet eure Gedanken ganz auf die Dinge, die wahr und achtenswert, gerecht, rein und unanstößig sind und allgemeine Zustimmung verdienen; beschäftigt euch mit dem, was vorbildlich ist und zurecht gelobt wird. … Dann wird der Gott des Friedens mit euch sein. (Phil 4,8-9)

Ich bin ein sehr Harmonie-bedürftiger Mensch, der Ordnung im Leben braucht, damit mein innerliches Gleichgewicht nicht kippt. Wenn der Raum, in dem ich arbeiten will, unordentlich ist, muss ich erst einmal eine gewisse Grundordnung schaffen, bevor ich anfangen kann. Ich kann offene Schranktüren und Schubladen auf den Tod nicht ausstehen und würde am liebsten alle Handtücher, Geschirrtücher und dergleichen mehr, die ein buntes Muster haben gegen einfarbige Varianten eintauschen. Wenn es nach mir ginge, sähe es bei uns zu Hause so minimalistisch aus wie in einem Kloster oder einem Museum. Meine Frau und meine drei Jungs haben aber ein anderes Empfinden von Wohnlichkeit und Ordnung, sodass wir uns irgendwo in der Mitte finden müssen.

Zugeben, mein Verständnis von Ordnung ist kein biblischer Maßstab, sondern Teil meiner Persönlichkeit, so wie Gott mich geschaffen hat. Andere Gotteskinder brauchen das kreative Chaos oder würden das, was ich ordentlich nenne, als steril empfinden und könnten dabei nie entspannen. Das ist in Ordnung.

Zweifellos hat unsere Umgebung einen großen Einfluss darauf, wie es uns geht. Und bis zu einem gewissen Grad können wir das auch beeinflussen. Doch Gott geht es in seinem Wort in erster Linie um unser Herz. Jetzt wissen wir alle, dass unser Herz, unserer innerer Mensch, sowohl inneren Frieden als auch inneres Chaos, erleben kann. Wir kommen häufig an unsere Grenzen und haben unsere Umstände nicht immer in der Hand. Doch worauf wir immer einen Einfluss haben, ist unser Herz. Und in Philipper 4,4-9 weist Paulus uns einen sicheren Weg zu tatsächlichem Frieden. Wenn das Leben dich gerade überfordert, dann höre auf das, was der Apostel uns sagt.

Der Kontext des Philipperbriefs

Halten wir uns zunächst vor Augen, das Paulus diesen Brief aus dem Gefängnis schrieb (Phil 1,12-26). Die Umstände waren alles andere als ideal; dennoch strotzt gerade dieser Brief von Zuversicht, Freude und Frieden. Grundlage dieser Zuversicht ist die Hoffnung des Evangeliums, die Paulus in Philipper 3,20-21 mit folgenden Worten beschreibt:

Wir dagegen sind Bürger des Himmels, und vom Himmel her erwarten wir auch unseren Retter – Jesus Christus, den Herrn. Er wird unseren unvollkommenen Körper umwandeln und wird ihm seinen eigenen Körper gleichmachen, der Gottes Herrlichkeit widerspiegelt. Er hat die Macht dazu, genauso, wie er auch die Macht hat, das ganze Universum seiner Herrschaft zu unterstellen.

 Wenn wir zu dem Gott gehören, der einst alle Dinge wiederherstellen wird, können wir die Unannehmlichkeiten dieser Welt leichter ertragen.

Doch anders als die griechischen Stoiker, werden wir nicht aufgefordert alles einfach klaglos hinzunehmen und zu ertragen. Die christliche Hoffnung und der göttliche Friede müssen von uns aktiv gesucht werden, wenn wir ihn genießen wollen. Wie das geht, zeigt Paulus uns nun in Philipper 4,4-9.

Gottes Frieden und der Gott des Friedens

Paulus fordert die Philipper – und damit auch uns – auf, drei Dinge zu tun:

  • Freut euch, was auch immer geschieht; freut euch darüber, dass ihr mit dem Herrn verbunden seid! Und noch einmal sage ich: Freut euch! (V. 4)
  • Seid freundlich im Umgang mit allen Menschen; ihr wisst ja, dass das Kommen des Herrn nahe bevorsteht. (V. 5)
  • Macht euch um nichts sorgen! Wendet euch vielmehr in jeder Lage mit Bitten und Flehen und voll Dankbarkeit an Gott und bringt eure Anliegen vor ihn. (V. 6)

Als Christen sollen uns beständig „im Herrn“ freuen. Das ist keine Aufforderung zum positiven Denken, ein oberflächliches Glücklichsein, dass die unschönen Umstände ausblendet. Was Paulus hier meint ist, dass wir als Christen immer Anlass zur Freude haben, wenn wir uns vor Augen halten, was uns alles in Christus geschenkt ist. Darüber sollten wir uns bewusst freuen, auch oder gerade dann, wenn die Umstände uns keinen Anlass zur Freude geben.

Das setzt voraus, dass wir uns bewusst mit Christus auseinandersetzen, dass wir über ihn und sein Werk nachdenken und unseren inneren Menschen mit ihm füllen. Praktisch kann das so aussehen, dass wir die Evangelien oder die neutestamentlichen Briefe aufmerksam lesen, die uns Christus zeigen. Es kann aber auch ein hilfreiches Buch über Jesus sein (z.B. Bleibe in Jesus von Andrew Murray); es können Christus-zentrierte Lieder sein, die du im Alltag hörst, um dich immer wieder Christus „auszusetzen“.

Die zweite Aufforderung betrifft unseren Umgang mit unseren Mitmenschen. Soweit es an uns ist, sollen wir allen Menschen freundlich begegnen.

Die dritte Aufforderung betrifft unser Gebetsleben: Wie Jesus bereits in der Bergpredigt sagte, sollen wir uns um nichts sorgen. Natürlich gibt es zahllose Dinge, die uns Sorgen machen, doch anstatt sie in unserem Herzen zu bewegen und zu nähren, sollen wir sie sofort zu Gott bringen. Paulus schreibt „voll Dankbarkeit“, andere Bibeln übersetzen „mit Danksagung“. Wir sollen daher eine Grundhaltung der Dankbarkeit an den Tag legen. Das beinhaltet natürlich ein Reflektieren darüber, wofür wir dankbar sein können. Wenn wir uns bewusst machen, dass wir ALLES Gott zu verdanken haben, dürften wir immer genug Gründe zur Dankbarkeit finden. Achte einmal darauf, welchen Stellenwert die Dankbarkeit in deinen Gebeten einnimmt. Gerade wenn Sorgen dich innerlich aufreiben, halte ihnen Gründe der Dankbarkeit vor.

Während ich diese Zeilen schreibe, überlegen wir als Familie ein Haus zu kaufen. Neben der finanziellen Belastung macht mir noch die anstehende Renovierungsarbeit zu schaffen, da ich kein handwerkliches Geschick habe und die Modernisierungsmaßnahmen eine echte Herausforderung für mich sind. Doch dann denke ich zurück an Gottes Versorgung in der Vergangenheit; wie er uns bei unserem letzten großen Umzug geholfen hat; über seine Führung bei der Wohnungssuche, die Helfer und vieles mehr. Ich will Gott bewusst für das Gute in unserem Leben danken und darauf vertrauen, dass er auch in der neuen Situation helfend eingreift.

Wenn wir diese drei Dinge tun, haben wir die ersten Schritte zu innerem Frieden getan; „und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken bewahren in Christus Jesus“ (Phil 4,7).

Anschließend schiebt Paulus noch eine weitere Aufforderung nach:

Und noch etwas, Geschwister: Richtet eure Gedanken ganz auf die Dinge, die wahr und achtenswert, gerecht, rein und unanstößig sind und allgemeine Zustimmung verdienen; beschäftigt euch mit dem, was vorbildlich ist und zurecht gelobt wird. (Phil 4,8)

Oftmals fehlt uns die innere Ruhe, die Gott für uns möchte, weil wir unser Herz und unseren Verstand mit unnötigen oder schädlichen Dingen belasten. Paulus meint hier mehr, als dass wir nur darüber nachdenken. Vielmehr sollen wir unseren inneren Menschen beständig mit dem füttern, was wahr, achtenswert, gerecht, rein und unanstößig ist. Eine Studienbibel kommentiert diese Aufforderung wie folgt: „Die Philipper sollen ihren Verstand mit Dingen füllen, die die Anbetung Gottes und den Dienst am Nächsten fördern.“ Das heißt nicht zwingend, dass wir nur christliche Inhalte konsumieren dürfen oder das Dinge wie Unterhaltung, Spaß und nicht-geistliche Dinge nicht ihren Platz haben. Aber es bedeutet, sich dessen bewusst zu sein, was uns wie im Alltag prägt. Steven Turner schreibt zu Philipper 4,8:

Er [Paulus] listet die Standards auf, an denen wir alles messen sollen, was wir sehen, denken und tun. … Außerdem sagt uns Paulus in Philipper 4,8, welche Werte in unseren Gedanken immer den höchsten Stellenwert einnehmen sollen. Wenn wir über Davids Ehebruch lesen, urteilen wir, dass er auf Grund von innerer Unreinheit falsch handelte. Wenn wir unsere Bibel schließen, bleibt der Wert der Reinheit in uns erhalten, nicht Davids Untreue und Verführung. Wenn wir vom Verrat des Judas lesen, beurteilen wir ihn anhand unseres Maßstabs der Integrität.[1]

An dieser Stelle ist es hilfreich, sich einmal zu überlegen, womit wir uns tagtäglich beschäftigen, welchen Dingen wir uns aussetzen und welche Auswirkungen sie auf unser Herz haben. Hier mal ein paar Beispiele:

  • Fördert der Gebrauch von Social-Media gute Dinge in mir, wie Nächstenliebe oder führt er mehr dazu, dass ich andere beneide, mich über sie ärgere. Fördert es meine Zufriedenheit oder bewirkt es eher, dass ich mit meinem Leben unzufriedener bin?
  • Hilft mir der Konsum der Nachrichten weltweit, dass ich besser informiert bin oder schürt es nur weiter meine Ängste und Sorgen.
  • Fördert das, was ich mir anschaue, was ich lese oder höre meine Heiligung oder hindert es sie eher?

Gerade wenn es um Filme, Serien oder andere Unterhaltungsmedien geht, ist es leicht von der ein oder anderen Seite vom Pferd zu fallen und entweder alles pauschal zu verteufeln oder als unproblematisch abzutun. Hier noch einmal Steve Turner:

Wir sollten die Macht der Kunst nicht unterschätzen. Wir können unserem Geist nicht eine Menge von Bösem zumuten und erwarten, ohne Narben davon zu kommen. Manchmal erlauben wir uns, bestimmten Material zuzuhören, es zu lesen oder anzusehen, weil es „nur zum Spaß“ oder „nur zur Unterhaltung“ dient. Das bedeutet normalerweise, dass auch unsere kritischen Fähigkeiten sich entspannen dürfen und in genau solchen Momenten kann unser Denken tief von Ideen geformt werden, die unserem Glaubensleben vollkommen entgegenstehen.[2]

In Sprüche 4,23 heißt es: „Mehr als alles, was man sonst bewahrt, behüte dein Herz! Denn in ihm entspringt die Quelle des Lebens.“ Achten wir also darauf, womit wir uns beschäftigen und setzen wir unser Herz zunehmend dem aus, was vor Gott wohlgefällig ist, den Menschen dient und uns guttut.

Abschließend fordert Paulus die Philipper auf, auf das zu achten, was sie von ihm gelernt und empfangen haben und was er ihnen vorgelebt hat. Paulus’ Vorbild direkt zu haben, war ein Privileg der Philipper. Doch wir haben heute das apostolische Wort, das es zu lesen, zu bewahren und zu tun gilt. Wenn wir das beachten, wird nicht nur der Friede Gottes unsere Herzen erfüllen, sondern der Gott des Friedens selbst wird mit uns sein!


[1] Steve Turner: „Imagine – Christen in Kunst, Musik und Medien“, S. 49-50.

[2] Ebd., S. 50.

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