Lass andere am Segen Gottes teilhaben
Am Erntedankfest erinnern wir uns immer wieder neu der Güte und Treue Gottes sowie seiner Fürsorge. Erntedank erinnert uns an die materiellen Gaben unseres Schöpfers – an die Ernte, die zum Beispiel in Form von Brot und anderen Lebensmitteln auch bei uns auf dem Tisch landet. Erntedank ist aber nicht nur Tag besinnlicher Rückschau auf Gottes wunderbares Versorgen, sondern will auch sensibel machen und hinweisen auf eine ganz andere Ernte und somit herausfordern zu ganz praktischen diakonischen und missionarischen Handeln. Dazu wollen wir einen Bibelabschnitt aus 2. Könige 7 betrachten:
Da sagte Elisa: Hört das Wort des HERRN! So spricht der HERR: Morgen um diese Zeit wird ein Maß Weizengrieß für einen Schekel verkauft werden und zwei Maß Gerste für einen Schekel im Tor von Samaria. Da antwortete der Anführer, auf dessen Arm sich der König stützte, dem Mann Gottes und sagte: Siehe, wenn der HERR Fenster am Himmel machte, könnte wohl so etwas geschehen? Er aber sagte: Siehe, du wirst es mit deinen eigenen Augen sehen, doch du wirst nichts davon essen!
Nun waren da vier aussätzige Männer am Eingang des Tores, die sagten einer zum anderen: Was sollen wir hierbleiben, bis wir sterben? Wenn wir sagen: Lasst uns in die Stadt gehen – in der Stadt herrscht ja die Hungersnot –, dann werden wir dort sterben. Wenn wir aber hierbleiben, werden wir auch sterben. So kommt nun und lasst uns ins Heerlager Arams überlaufen! Wenn sie uns am Leben lassen, dann leben wir, und wenn sie uns töten, dann sterben wir. So machten sie sich in der Abenddämmerung auf, um ins Heerlager Arams zu kommen. Und sie kamen an den Rand des Heerlagers von Aram, und siehe, da war kein Mensch. Denn der HERR hatte das Heerlager Arams ein Getöse von Wagen und ein Getöse von Pferden hören lassen, das Getöse einer großen Heeresmacht. Da hatten sie einer zum anderen gesagt: Siehe, der König von Israel hat die Könige der Hetiter und die Könige von Ägypten gegen uns angeworben, dass sie über uns kommen sollen. So hatten sie sich aufgemacht und waren in der Abenddämmerung geflohen. Sie hatten ihre Zelte und ihre Pferde und ihre Esel zurückgelassen, das ganze Heerlager, so wie es war, und waren um ihr Leben geflohen. Als nun jene Aussätzigen an den Rand des Heerlagers kamen, gingen sie in eines der Zelte und aßen und tranken. Und sie nahmen Silber und Gold und Kleider von dort mit und gingen hin und versteckten es. Dann kehrten sie zurück in ein anderes Zelt; und sie nahmen auch von dort etwas mit, gingen hin und versteckten es.
Dann sagten sie einer zum andern: Wir tun nicht recht. Dieser Tag ist ein Tag guter Botschaft. Schweigen wir aber und warten, bis der Morgen hell wird, so wird uns Schuld treffen. (2Kön 7,1 -9)
Der Kontext beschreibt einen furchtbaren Zustand in Samaria, der Hauptstadt des Nordreiches Israel. Es herrschte eine gewaltige Hungersnot, in der sogar Fälle von Kannibalismus vorkamen. Sie wurde ausgelöst durch die Belagerung der Stadt durch die Syrer unter Ben-Hadad I. (845 v. Chr.). Zu dieser Zeit war Joram König von Israel (dem Nordreich) und Elisa wirkte als Prophet Gottes.
Doch unser Text konzentriert sich auf vier weitere namenlose Gestalten, deren Lage scheinbar noch aussichtsloser war. Sie werden als aussätzig und damit als Ausgestoßene beschrieben. Von ihnen wollen wir etwas lernen
Sie fassten einen mutigen Entschluss!
Ihre verzweifelte Lage war ihnen bewusst, aber sie hatten noch nicht aufgegeben. Sie überließen sich nicht blind ihrem Schicksal. Sie bedachten ihre Möglichkeiten und entschieden sich, das Lager der Feinde aufzusuchen. Dorthin, wo es noch Lebensmittel gab, wo jedoch auch der Tod auf sie warten konnte. Doch sie hatten nichts zu verlieren.
Das Bild des Aussätzigen steht auch für den Sünder, den Menschen, der von Gott getrennt lebt. Auch er ist vom Feind, der Sünde, belagert und gefangen sowie vom Feind, dem Tod, bedroht. Auch er erlebt Armut und Krankheit, die sich jedoch vor allem geistlich auswirken. An anderer Stelle nennt ihn Gottes Wort sogar geistlich tot (vgl. Eph 2,1). Auch er ist auf sich allein gestellt, da er durch die Sünde eigene Wege geht und nicht Gott sucht.
Die Aussätzigen in unserem Text haben die Sehnsucht nach Veränderung, nach einer neuen Lebensperspektive. Sie suchen die Veränderung durch einen mutigen Entschluss und erinnern uns an den verlorenen Sohn aus dem Gleichnis in Lukas 15, der sich auf den Weg zurück ins Vaterhaus machte.
Auch wenn das Wort Gottes uns aufzeigt, dass wir geistlich tote Mensch nicht von sich aus nach Gott fragt und nach ihm sucht, wissen wir zugleich von Gottes erbarmender Liebe, die etwas im Leben des Sünders in Gang setzen kann. Er sucht nach dem Sünder und bewirkt dessen Sehnsucht nach Umkehr. Wenn auch du deinen verlorenen Zustand erkannt hast, lade ich dich zu einem mutigen Schritt ein – heraus aus deiner jetzigen Position und hin zu einem Leben, das Gott dir in Jesus Christus anbietet.
Sie machten eine gewaltige Entdeckung!
Die vier Aussätzigen machten sich also auf den Weg. Was mögen sie unterwegs überlegt und miteinander gesprochen haben? Sicher kamen ihnen dabei Zweifel in den Sinn, Ängste kamen hoch sowie Umkehrgedanken, die sich bei ihnen einschlichen. Doch sie hielten durch, hielten an ihrem Entschluss fest.
Und dann am Ziel, konnten sie ihren Augen nicht trauen. Sie trafen auf ein menschenleeres Heerlager, doch voller Proviant und Kostbarkeiten. Die Bibel erwähnt an dieser Stelle das Eingreifen Gottes! Sie kommen aus tiefster Not und Armut zu unermesslichem Reichtum. Was finden sie genau? Einen geschlagenen Feind und reichlich Nahrung, um ihre Bedürfnisse zu stillen. Gott selbst hatte ihnen einen Tisch bereitet, wie David es in Psalm 23 beschreibt.
Hier lesen wir vom Evangelium. Das ist die Botschaft von Golgatha. Am Kreuz ist das Leben zu finden durch Vergebung unserer Schuld. Der Feind ist bezwungen, denn Jesus ist und bleibt Sieger:
„Weil nun aber alle diese Kinder Geschöpfe aus Fleisch und Blut sind, ist er [Jesus] ein Mensch von Fleisch und Blut geworden. So konnte er durch den Tod den entmachten, der mit Hilfe des Todes seine Macht ausübt, nämlich den Teufel, und konnte die, deren ganzes Leben von der Angst vor dem Tod beherrscht war, aus ihrer Sklaverei befreien“ (Hebr 2,14-15; NGÜ).
„Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus! Er hat uns gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in der Himmelswelt in Christus“ (Eph 1,3)
Mit und in Jesus Christus liegen die geistlichen Segnungen Gottes für uns bereit! Glaubst du das?
Sie nahmen konkret in Besitz!
Können wir uns ihre Reaktion vorstellen? Erst vielleicht vorsichtiges Herantasten, gepaart mit ungläubigem Staunen, dann diese Jubelschreie, während sie sich um den Hals fallen und ihr Glück kaum fassen können. Nach langer Zeit gibt es endlich wieder etwas zu essen – und was für erlesene Köstlichkeiten. Und sie bestaunen nicht nur die Köstlichkeiten, sondern nehmen davon, essen und trinken. Auch von den kostbaren und teuren Gegenständen nehmen sie sich einige und verstecken sie für sich. Die Voraussetzung von den Kostbarkeiten zu profitieren, war sie in Besitz zu nehmen. Das gilt auch für die Segnungen Gottes. Sie zu bestaunen allein reicht nicht aus.
Was hat das mit Erntedank zu tun?
Sie erlebten Rettung und Überfluss durch Gottes übernatürliches Eingreifen. Gott bietet jedem Sünder Rettung, Heil und Leben in Fülle, wenn er Jesus Christus vertraut. Viele von uns haben das erfahren, doch es besteht die Gefahr des geistlichen Egoismus, der denkt: „Ich bin errettet und das genügt mir!“ Aber was machen die Menschen, die noch unter der Belagerung Satans und der Sünde leben? Sind sie uns egal?
Schauen wir noch einmal in unseren Text und auf das Verhalten der Aussätzigen.
Sie bekannten ihr Unrecht und kehrten um!
Zwei Aussagen fallen hier besonders auf:
Wir tun nicht recht!
Ihr augenblicklicher Egoismus wird ihnen bewusst und als falsch, als Sünde bekannt. Wenn wir darin verharren, „so wird uns Schuld treffen“ (V. 9). Das Gute, den materiellen Segen, aber auch das Heil Gottes für sich allein behalten zu wollen, ist Sünde!
Dies ist ein Tag guter Botschaft!
Die vier Männer erkennen, dass der Überfluss für alle reicht und die Bewohner der Stadt diese Hilfe auch dringend benötigen. Aber es muss ihnen gesagt werden. Sie selbst müssen es weitersagen.
Und wir? Haben wir nicht auch eine gute Nachricht weiterzusagen? Die Botschaft vom Kreuz. Die Botschaft, dass Gott jeden Menschen, jeden Sünder, liebt, ihn retten und neues, ewiges Leben schenken will? Wie viele Menschen sterben um uns herum, ohne die rettende Nachricht gehört und angenommen zu haben.
Wir können diese Botschaft weitergeben – durch unser Leben – und dazu gehört sicher unter anderem auch die Bereitschaft, anderen in der Not zu helfen und von unserem materiellen Überfluss abzugeben. Auch das gehört dazu, wenn wir andere am Segen Gottes teilhaben lassen wollen.
Was waren die Auswirkungen der Botschaft der Aussätzigen? Schauen wir uns die Verse 10-16 an:
So kamen sie und riefen die Torwache der Stadt und berichteten ihnen: Wir sind in das Heerlager Arams gekommen, und siehe, da war kein Mensch und keine Menschenstimme, sondern nur die Pferde angebunden und die Esel angebunden und die Zelte, so wie sie waren. Da riefen es die Torwächter aus, und man berichtete es drinnen im Haus des Königs.
Da stand der König in der Nacht auf und sagte zu seinen Knechten: Ich will euch sagen, was die Aramäer mit uns gemacht haben: Sie haben erkannt, dass wir Hunger leiden; da sind sie aus dem Lager abgezogen, um sich im Feld zu verstecken, indem sie sich sagen: Wenn sie aus der Stadt herauskommen, dann wollen wir sie lebendig greifen und in die Stadt eindringen! Da antwortete einer von seinen Knechten und sagte: Man nehme doch fünf von den übrig gebliebenen Pferden, die hier noch übrig geblieben sind! Siehe, ihnen wird es ja doch ergehen wie der ganzen Menge Israels, die hier übrig geblieben ist; siehe, ihnen wird es ergehen wie der ganzen Menge Israels, die am Ende ist. Schicken wir doch hin, und lasst uns sehen! So nahmen sie zwei Wagen mit Pferden, und der König schickte hinter dem Heerlager Arams Männer her und sagte: Geht hin und seht! Und sie zogen hinter ihnen her bis an den Jordan; und siehe, der ganze Weg war voll von Kleidern und Geräten, die die Aramäer auf ihrer hastigen Flucht weggeworfen hatten. Und die Boten kehrten zurück und berichteten es dem König. Da ging das Volk hinaus und plünderte das Heerlager Arams. So wurde ein Maß Weizengrieß für einen Schekel und zwei Maß Gerste für einen Schekel verkauft nach dem Wort des HERRN.
Die Nachricht der Aussätzigen wurde zunächst mit Skepsis betrachtet. Es klang auch zu gut, um wahr zu sein. Dennoch war die Not so groß, um der Sache doch näher auf den Grund zu gehen. Schließlich erwies sie sich als wahr und führte zur Rettung der Stadt und zum Ende der Hungersnot, ganz wie Gott es versprochen hatte.
Wann ist die geistliche Hungersnot zu Ende? Ist sie überhaupt vorhanden? Wollen Menschen überhaupt die rettende Botschaft der Liebe Gottes hören?
Finde es heraus, indem du jede Gelegenheit, die Gott dir schenkt, dazu nutzt, das Evangelium weiterzusagen. Lass dich nicht entmutigen. Auch wenn viele vielleicht mit Skepsis reagieren, werden einige zuhören, dem ganzen eine Change geben und am Ende den Reichtum in Jesus erleben, ganz wie Gott es versprochen hat: „Ich bin gefunden worden von denen, die mich nicht suchten, ich bin offenbar geworden denen, die nicht nach mir fragten“ (Röm 10,20).
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