War meine Bekehrung wirklich echt?
Markus M. fragt: „Eine Frage, die ich schon häufiger gehört und auch mir selbst gestellt habe, ist: War meine Bekehrung wirklich echt? Ich glaube nicht an die These ‚Einmal gerettet – immer gerettet‘, denn ein Leben mit Jesus bringt Früchte hervor und verändert unseren Charakter. Ich weiß, dass Christen in der Bibel und im Gebet Frieden finden können. Doch immer wieder geraten sie in schwierige Situationen, in denen sie den Eindruck haben, von Jesus verlassen zu sein. Dann kommen die Zweifel und diese Fragen.“
Es gibt vermutlich nur sehr wenige Christen, die sich noch nie gefragt haben: War meine Bekehrung wirklich echt? Irgendwann kommt jeder von uns an den Punkt, an dem er sich fragt, ob die eigene Hinwendung zu Jesus ernst war. Diese Ausgangsfrage kann einen ganzen Rattenschwanz an weiteren Fragen und Spekulationen nach sich ziehen.
Um Orientierung zu finden, sollten wir unterscheiden: Was ist der Grund unserer Errettung, und woran lässt sich lebendiger Glaube erkennen? Gerettet werden wir allein durch Jesus Christus und sein Erlösungswerk; wir empfangen diese Rettung durch den Glauben. Geistliche Fortschritte verdienen uns die Errettung nicht. Doch rettender Glaube bleibt nicht ohne Frucht: Gott schenkt ein neues Leben, das er verändert und auf seinen Willen ausrichtet.
Wenn Gefühle schwanken, bleiben Gottes Verheißungen
Wenn Christen ihre Bekehrung anzweifeln, kann folgende Frage hilfreich sein: Warum stellst du diese Frage überhaupt? Vielleicht fühlst du dich nicht errettet. Du spürst Gottes Liebe nicht mehr wie früher, Bibellesen und Beten fallen dir schwer oder du erkennst wenig Wachstum und keinen Erfolg im Kampf gegen die Sünde. Solche Erfahrungen können sehr belastend sein. Sie drücken aber zunächst aus, wie es dir gerade geht; für sich genommen entscheiden sie nicht, ob du zu Christus gehörst.
Unsere Zweifel und Empfindungen können sich verändern. Gottes Verheißungen hingegen bleiben bestehen. Darum sollten wir unsere Heilsgewissheit nicht allein daran festmachen, wie wir uns gerade fühlen, sondern daran, was Gott uns in seinem Wort zusagt. Jesus verspricht, den nicht hinauszustoßen, der zu ihm kommt, und die Seinen am letzten Tag aufzuerwecken (Johannes 6,37–40.47). Paulus vertraut darauf, dass Gott das gute Werk, das er begonnen hat, vollenden wird (Philipper 1,6).
Das bedeutet nicht, dass Zweifel immer leicht zu überwinden wären oder dass sie aus persönlichem Versagen entstehen müssten. Krankheit, Depression, traumatische Erfahrungen und schwere Lebenskrisen können den Blick trüben. Aus einer Zeit der Anfechtung allein lässt sich kein abschließendes Urteil über die Echtheit des Glaubens ableiten.
Die Frage nach Zweifeln beweist noch keinen Glauben
An dieser Stelle würden viele Christen sagen: Ja, dass stimmt. Aber was ist, wenn ich mich nur auf die Verheißungen gestützt habe, ohne wirklich Christus zu vertrauen? Was ist, wenn es nur ein Lippenbekenntnis war und ich zu der Gruppe gehöre, zu der Jesus gesagt hat: „Ich habe euch niemals gekannt. Weicht von mir, ihr Übeltäter!“ (Matthäus 7,23)? Diese Warnung ist ernst zu nehmen. Auf manche Menschen wird sie zutreffen, sonst hätte Jesus sie nicht ausgesprochen. Ein Bekehrungserlebnis allein ist kein Beweis für eine tatsächliche Wiedergeburt.
Was vielen nicht bewusst ist, ist die Tatsache, dass die Frage nach der Echtheit der Bekehrung in den allermeisten Fällen von tatsächlich wiedergeborenen Menschen gestellt wird. Allen anderen wird diese Frage vermutlich überhaupt nicht erst in den Sinn kommen – weil sie für sie keinerlei Relevanz hat.
Die Frage allein beweist jedoch noch nicht, ob jemand wiedergeboren ist oder nicht. Ebenso beweist das Ausbleiben solcher Zweifel nicht, dass jemand keinen Glauben hat. Entscheidend ist, worauf dein Vertrauen gerichtet ist und welche Bedeutung Christus für dich hat.
Es gibt Menschen, die eine Bekehrung erlebt zu haben meinen, ohne zum rettenden Glauben an Christus gekommen zu sein. Das kann sich in Gleichgültigkeit gegenüber Gott zeigen, aber auch darin, dass jemand auf religiöse Erfahrungen, eigene Leistungen oder ein bloßes Bekenntnis vertraut, statt seine Hoffnung auf Christus zu setzen. Jesus warnt in Matthäus 7,21–23 gerade auch Menschen, die sich auf religiöse Taten berufen. Deshalb sollten wir weder ein früheres Erlebnis noch unsere gegenwärtigen Zweifel zur Grundlage der Gewissheit machen.
Lebendiger Glaube bringt Frucht hervor
Markus hat gewissermaßen recht damit, dass dieses Motto „Einmal gerettet – immer gerettet“ problematisch ist, da das Neue Testament von einem lebendigen Glauben spricht, der sich in einem veränderten Leben zeigt. Andererseits stimmt diese Aussage dennoch, weil Gott verheißen hat, all diejenigen definitiv zu retten, die an Jesus Christus glauben (Johannes 6,37-40.47). Pastor und Autor J.D. Greear schreibt hilfreich dazu:
Die Aussage „Wer einmal gerettet ist, der ist immer gerettet“ ist nicht falsch, sie ist nur unvollständig. Es ist wichtig, auch zu betonen, dass wir nur dann Heilsgewissheit haben können, wenn wir bis ans Ende im Glauben beharren werden. Deshalb sollte man sagen: „Wer einmal gerettet ist, der ist auch für immer ein Nachfolger.1
Gott gibt seinen Kindern den Heiligen Geist (Römer 5,5; Epheser 1,13), macht sie lebendig für sich (Römer 6,13) und bewahrt sie durch den Glauben (1. Petrus 1,5). Seine göttliche Kraft schenkt, was zum Leben in der Nachfolge dient (2. Petrus 1,3).
Die Echtheit des Glaubens zeigt sich daher in einem neuen, auf Gott ausgerichteten Herzen: Wir nehmen unsere Sünde ernst, suchen Gottes Willen und lassen uns von ihm verändern. Das heißt nicht, dass Christen schon vollkommen wären oder in jedem Bereich gleich wachsen. Lebenssituation, Persönlichkeit und Versuchungen unterscheiden sich. Was einem Menschen leichtfällt, kann für einen anderen ein schwerer Kampf sein.
Die Psalmen geben Raum für Freude und Klage, sogar für die Erfahrung gefühlter Gottverlassenheit; das Buch Hiob steht in der Bibel, um Gläubigen zu zeigen, dass uns Leid so schwer treffen kann, dass wir nahezu an Gott verzweifeln – und Gott uns dennoch in seiner Hand hält. Anfechtung und fortdauernder Kampf mit der Sünde sind daher nicht automatisch Beweise für einen unechten Glauben.
Heilsgewissheit kann wachsen
Johannes schreibt, damit die Glaubenden wissen, dass sie ewiges Leben haben (1. Johannes 5,13). Das zeigt: Gewissheit ist möglich und darf wachsen. Ein Mensch kann Christus wirklich vertrauen und dennoch mit Zweifeln kämpfen. Heilsgewissheit und rettender Glaube sind nicht dasselbe; Zweifel gehören aber auch nicht notwendig zum Christsein. Gott kann Anfechtungen gebrauchen, um unseren Glauben zu stärken. Wir sollten sie jedoch nicht als notwendige Voraussetzung dafür darstellen, demütig und abhängig von Gott zu leben.
Der erste Johannesbrief verbindet die Gewissheit des Evangeliums mit Kennzeichen lebendigen Glaubens: dem Bekenntnis zu Jesus, der Liebe zu Gott und den Geschwistern, dem Gehorsam und dem Kampf gegen die Sünde. Auch 2. Petrus 1,5–10 ruft dazu auf, im Glauben zu wachsen und Berufung und Erwählung festzumachen. Diese Früchte ergänzen Christi Werk nicht. Sie sind nicht der Grund unserer Rettung, können aber Hinweise darauf geben, dass der Glaube echt ist.
Prüfe deinen Glauben, ohne deine Werke zur Grundlage zu machen
Die Bibel fordert Christen durchaus zur Selbstprüfung auf. So schreibt Paulus zum Beispiel: „Prüft euch, ob ihr im Glauben seid, untersucht euch!“ (2. Korinther 13,5). Der unmittelbare Anlass dort ist die besondere Situation der Korinther; dennoch sollte die Stelle nicht so ausgelegt werden, als sei jede Prüfung des eigenen Glaubens unbiblisch. Der erste Johannesbrief selbst hilft seinen Lesern, Bekenntnis und Lebenswandel im Licht des Evangeliums zu betrachten.
Dabei ist entscheidend, wie wir uns prüfen. Wenn wir ständig fragen, ob wir genug gebetet, genug Fortschritte gemacht oder stark genug geglaubt haben, und daraus ableiten, ob Christus uns annimmt, geraten wir leicht in eine Spirale der Selbstbeobachtung. Unsere Werke sind nicht die Grundlage unserer Errettung. Eine hilfreiche Prüfung fragt vielmehr: Vertraue ich Christus? Nehme ich meine Sünde ernst? Gibt es in meinem Leben, wenn auch unvollkommen, eine Ausrichtung auf Gott und den Wunsch, ihm zu gefallen? Solche Früchte weisen uns nicht von Christus weg, sondern helfen, einen bloßen Anspruch von lebendigem Glauben zu unterscheiden.
Sieh zuerst auf Christus
Die tiefste Grundlage unserer Gewissheit liegt nicht in der Stärke unseres Glaubens oder in der Vollkommenheit unseres Lebens, sondern in Gott und seinem Werk für uns. Paulus schreibt: „Ich bin ebenso in guter Zuversicht, dass der, der ein gutes Werk in euch angefangen hat, es vollenden wird bis auf den Tag Christi Jesu“ (Philipper 1,6). Gott selbst heiligt die Seinen (1. Thessalonicher 5,23) und wirkt in ihnen, was ihm gefällt (Hebräer 13,20–21).
Kehren wir zur Ausgangsfrage zurück: Glaube ich, dass Jesus Christus in die Welt gekommen ist, um für Sünder wie mich zu sterben, und vertraue ich mich ihm an? Ist es mir ein Herzensanliegen, Gottes Willen zu tun, auch wenn mein Gehorsam unvollkommen bleibt und ich immer wieder falle? Wenn du Christus vertraust und dich nach einem Leben mit Gott sehnst, dann blicke nicht zuerst auf die Stärke deiner Gefühle oder die Größe deiner Fortschritte. Blicke auf Christus und seine Zusage. Dürrezeiten und Glaubenskrisen können dennoch kommen; sie machen Gottes Verheißung nicht ungültig.
Ja, es gibt Menschen, deren Leben Anlass gibt, die Echtheit ihres Bekenntnisses ernsthaft zu hinterfragen. Das lässt sich jedoch nicht allein daran erkennen, dass jemand zweifelt oder keine bestimmte Intensität geistlicher Gefühle erlebt. Entscheidend ist, ob das Vertrauen tatsächlich Christus gilt und ob sich im Leben – trotz Schwäche und Rückschritten – die Frucht eines von Gott erneuerten Herzens zeigt.
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- J. D. Greear, Hör auf, dich zu bekehren, glaube! Warum unsere Errettung allein von Jesus abhängt, Herold Verlag: Leun, 2020. ↩︎

